Titelbild, Pfarrei Herz Jesu, Schwandorf

Gründonnerstag
Bibeltexte: Exodus 12,1-8.11-14. 1. Korinther 11,23-25. Johannes 13,1-15
 
„Nimm dir mal ein Beispiel daran…“ - Wir kennen dieses Sprichwort; ich denke, viele von uns haben es als Kind oder als Jugendlicher von den Eltern oder Großeltern gehört, oder es mag in ganz anderem Zusammenhang gefallen sein.
 
„Nimm dir mal ein Beispiel daran…“ - Das sagt heute auch Jesus. Das Evangelium vom Gründonnerstag erwähnt das Letzte Abendmahl, das heute im Zentrum der Liturgie steht, nur mit einem halben Satz: „Es fand ein Mahl statt…“ (Johannes 13,2). Paulus hat es im Ersten Korintherbrief, der Zweiten Lesung, ausführlich behandelt.
 
Das Evangelium legt einen anderen Schwerpunkt, auf einen, der zwar von seiner Bedeutung her wirklich herausragend ist, der aber andererseits doch eher zu den Nebensächlichkeiten zählen könnte: von der Fußwaschung. So wie wir uns heute vor dem Essen (und zur Zeit wesentlich öfter) die Hände waschen, wusch man sich vor einem Mahl die Füße: der Staub von den Wegen sollte abgewaschen werden - und natürlich gibt es auch allerlei theologische Deutungen dieser Handlung.
 
Die Fußwaschung ist aber nicht die Aufgabe der Hausherren, Fußwaschung war Sklavendienst. Aber Jesus vollzieht die Fußwaschung selbst - er, der Herr, macht sich klein, pocht nicht auf seinen Status als Sohn Gottes. Er macht sich klein…. und mehr noch: er gibt den Seinen damit ein Beispiel: „Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe.“ (Johannes 13,15). Als Christ zu handeln kann also auch einmal heißen: sich klein machen, weil auch Gottes Sohn sich nicht zu schade war, sich klein zu machen… - Manchmal liegt die Größe darin, sich klein zu machen.

Der nicht-öffentliche Gottesdienst am Gründonnerstag (09.04.2020, 19:00 Uhr) soll aus unserer Pfarrkirche Herz Jesu live bei Youtube übertragen werden.

Link zum YouTube-Kanal Herz Jesu - Schwandorf:

An dieser Stelle Herrn Michael Schickram ein herzliches Vergelt´s Gott für die Umsetzung und das Engagement.

Livestream am Gründonnerstag: https://youtu.be/48R_QmSVGng

 Liederfolge:
- Eingangslied: 281, 1+2 Also sprach beim Abendmahle
- Kyrie: 163
- Gloria: 171 Preis und Ehre
- Antwortgesang (nach der ersten Lesung): 60,1 Der Herr hat uns befreit, auf ewig besteht sein Bund
- Gabenbereitung: 445 Ubi caritas
- Sanktus: 199 Heilig ist Gott in Herrlichkeit
- Agnus Dei: 208 Christe, du Lamm Gottes


Link zum YouTube-Kanal Herz Jesu - Schwandorf:

„Seht her, Gott, der Herr, wird mir helfen.“ (Jesaja 50,9). - Es sind wirklich schöne Worte, mit denen die heutige Lesung endet. So voller Vertrauen und Zuversicht. Ein Vertrauen, von dem wir uns alle anstecken lassen sollten, weil Vertrauen etwas mit unserer inneren Lebenseinstellung macht. Um Vertrauen bittet auch das heutige Tagesgebet: „Erwecke in uns das feste Vertrauen, dass uns durch den Tod deines Sohnes ewiges Leben geschenkt ist.“
Immer und immer wieder ist es das Vertrauen, zu dem wir in diesen Tagen angehalten werden. Egal, was die Zukunft auch bringt: Vertrauen ist angesagt. Der Tag, der heute, jetzt im Moment stattfindet, ist der Tag, den ich mit Leben erfüllen kann und soll. Ich darf Vertrauen in den haben, der mir heute diesen Tag geschenkt hat. Und ich darf auch vertrauen auf das, was wir „ewiges Leben“ nennen.
Vieles in unserem alltäglichen Leben ist nur noch auf das Hier und Jetzt ausgerichtet, so als ob dieses Leben hier alles wäre. Und vieles davon zerrinnt uns momentan zwischen den Händen, wir können es nicht festhalten. Da ist es gut, einmal die eigene Lebensplanung zu überdenken: was ist für mein Leben hier und jetzt wirklich wichtig, und was könnte man beiseite lassen? Jetzt ist aber auch einmal die Gelegenheit, über das ewige Leben in der Gemeinschaft mit Gott nachzudenken. Die Tage von Tod und Auferstehung Jesu laden intensiv dazu ein. An die Gemeinde in Philippi schreibt Paulus: „Unsere Heimat ist im Himmel. Von dorther erwarten wir auch Jesus Christus, den Herrn, als Retter, der unseren armseligen Leib verwandeln wird in die Gestalt seines verherrlichten Leibes, in der Kraft, mit der er sich alles unterwerfen kann.“ (Philipper 3,20-21) - Denken Sie mal drüber nach, es lohnt sich, denn „Gott, der Herr, wird mir helfen!“

„Es war aber Nacht“ (Johannes 13,30b) - das ist die kleine, unscheinbare Anmerkung, die der Evangelist Johannes niederschreibt, nachdem Judas das Abendmahl verlassen hat. 

Es war aber Nacht – einerseits klar: das Abendmahl hatte an einem Abend stattgefunden, und wenn es ein typisch jüdisches Mahl war, dann hatte es wohl auch einen ritualisierten Ablauf, der eine gewisse Zeit dauerte; es wird also wirklich Nacht gewesen sein, als Judas geht. 

Es war aber Nacht – damit kann auch eine geistige Nacht gemeint gewesen sein: wer nämlich den Evangelisten Johannes kennt, der weiß, dass er oft mehr mit einer kurzen Aussage ausdrücken möchte. So kann man sagen: über Judas ist die Nacht hereingebrochen. Oder: über Jesus und die Jünger bricht jetzt die Nacht des Verrats, der Verhaftung, des Verhörs, der Verlegung etc. herein. 

Es ist eine düstere Atmosphäre im Abendmahl, so wie Johannes uns das heute beschreibt. Aber bei genauerem Hinsehen kann man doch schon wieder einen leichten Glanz erkennen: „Jetzt ist der Menschensohn verherrlicht, und Gott ist in ihm verherrlicht.“ (Johannes 13,31) 

So wie uns auch jetzt manches düster vorkommt – es wird Licht, strahlender Mittag! Es wird Ostern, es gibt eine Auferstehung. Vielleicht trifft es jetzt die Strophe aus einem neuen geistlichen Lied: 

„Über Berge und Täler schallt eine frohe Botschaft mit Allgewalt: Gott ist da, sein Reich beginnt, alle Menschen Brüder (und Schwestern) sind.“

Unterkategorien