Titelbild, Pfarrei Herz Jesu, Schwandorf

Während in der Fastenzeit die biblischen Texte oft einen etwas düsteren, drückenden Eindruck machten, verschärft durch das drückende Gefühl von Corona, obwohl die Texte eigentlich ja Mut machen wollen und zur Initiative aufrufen, hören wir in diesen Wochen aus der Bibel ganz andere Texte. Wir hören, wie es einmal jemand formulierte, aus der „ersten Kirchengeschichte“, also aus dem Buch, das die Taten der Apostel beschreibt, aus der Apostelgeschichte.
Immer wieder wird dort berichtet, wie Menschen handeln, die vom Glauben an Jesus Christus innerlich verwandelt werden, und wie sich daraus eine erste christliche Gemeinde entwickeln konnte. 
Neben vielem anderen hat mich heute besonders eine Formulierung angesprochen, die mich länger beschäftigt hat. Petrus ruft die Menschen zur Umkehr auf, damit „der Herr Zeiten des Aufatmens“ kommen lässt. Ich denke, auch darum bitten in diesen Tagen viele Menschen: um Zeiten des Aufatmens. Noch immer - und noch für lange Zeit - schränkt das Virus uns ein, und wir lechzen nach „Zeiten des Aufatmens“. Bitten wir den Herrn heute, dass er uns solche Zeiten des Aufatmens schenkt, gleich ob im Kleinen oder auch im Großen, und überlegen wir uns doch auch selbst, wie wir selber zu „Zeiten des Aufatmens“ beitragen können…

Heute möchte ich Ihnen etwas mit auf den Weg geben, was ich neulich in einer Ankündigung zu einem Gottesdienst in einer Zeitschrift gelesen habe:
„Mutig zu sein heißt nicht, dass man keine Sorgen hat. Mutig zu sein heißt vielmehr, sich auf das Gefürchtete zuzubewegen. Das ist Courage. Das Wort Courage kommt vom französischen Wort coeur, das ‚Herz‘ bedeutet. Courage heißt, dass das Herz über den Kopf siegt. Obwohl die Gedanken schreien: Nein! Tu das nicht!, sagt das Herz: Doch. Wir schaffen das.“
Ich glaube, dass das sehr wichtige Gedanken sein könnten, nicht nur für jetzt und heute, sondern generell: Mut ist gefragt. Sich nicht unterkriegen lassen. 
So wie auch die Jünger Jesu sich nach seinem Tod und der Auferstehung nicht haben unterkriegen lassen. Nach einer gewissen Zeit des Nachdenkens, des Verstehens von Tod und Auferstehung, sind sie mutig weiter ihren Weg im Auftrag Jesu gegangen.
Auch uns wünsche ich diesen Mut, der sagt: Doch. Wir schaffen das.

Wir befinden uns mitten in der Osteroktav - also in den acht Tagen, die wir wie das Osterfest selbst feiern. In der Messfeier wird bis zum kommenden Sonntag, dem Weißen Sonntag, täglich das Gloria gesungen, auf das wir nun die ganze Fastenzeit verzichtet haben. Trotz dieses besonders festlichen Charakters fällt auf, dass die Evangelien in diesen Tagen ein besonderes Augenmerk auf etwas legen, das vielleicht nicht ganz so in diesen festlichen Rahmen passt: sie berichten davon, wie Jesus verschiedenen Personen aus seinem Schüler-, bzw. Freundeskreis begegnet und sie ihn nicht erkennen.
Das scheint irgendwie wenig rühmlich zu sein, dass ausgerechnet die ihm nächsten Menschen ihn nicht erkennen. Aber damit ist noch nicht Schluss! Bei jeder Begegnung geht er auf die Nöte seiner Freunde ein: immer schenkt er die Möglichkeit, sodass einem das Licht aufgehen kann. Immer tut er alles, damit seinen Freunden die Augen geöffnet werden.
Und das tut er bis heute. Wenn wir ihn ernsthaft erkennen wollen und wir uns für ihn öffnen, dann schenkt er auch die Möglichkeit dazu! Vielleicht stellen wir uns deshalb für heute folgende Frage: durch wen oder was möchte Jesus heute mich erreichen - und umgekehrt: wen möchte er heute durch mich erreichen? 

Ostermontag
Apostelgeschichte 2,14.22-33. 1. Korinther 15,1-8.11. Lukas 24,13-35
 
Die Botschaft von Ostern - sie muss sich erst herumsprechen; sie muss erst verkündet werden. Aber das alleine reicht noch nicht. Sie muss auch tief ins Herz und in den Geist eindringen, denn erst wenn sie dort eingedrungen ist, kann sie etwas bewirken, erst dann kann sie etwas mit uns machen.
Ein Beispiel dafür sind die berühmten Emmausjünger. Traurig gehen sie aus Jerusalem weg. Jesus ist gekreuzigt worden. Jesus, mit dem sie etwa drei Jahre unterwegs waren, von dem sie Zeichen und Wunder gesehen hatten, der sie über Gott belehrt hatte - er ist nicht mehr. Aus und vorbei. Am Kreuz ist die Geschichte zu Ende. Endgültig.
Was er von einer Auferstehung gesprochen hat, das ist ihnen nicht präsent; sie sind wohl wie erschlagen von der Verhaftung, dem Verhör, der Geißelung etc. - und ihre Unterhaltung auf dem Weg heim nach Emmaus wird wohl auch von all dem geprägt gewesen sein.
Sie sind so gefangen in ihrer Trauer und ihrer Verzweiflung, dass ihnen kein Licht aufgeht, als Jesus sie - wie auch früher - intensiv lehrt und sich ihrer Nöte annimmt. Das aber, der Austausch mit Jesus, dem Unbekannten, scheint in ihnen etwas gemacht zu haben, sodass sie ihn schließlich erkennen. 
Seien wir aufmerksam; er will auch uns heute begegnen und sich unserer Nöte annehmen. Irgendwann werden wir ihn erkennen. Er verlässt uns nicht.

Hochfest der Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus
Bibeltexte: Genesis 1,1-2,2; Genesis 22,1-18; Exodus 14,15-15,1; Jesaja 54,5-14. Jesaja 55,1-11; Baruch 3,9-15.32-4,4; Ezechiel 36,16-17a.18-28; Römer 6,3-11; Matthäus 28,1-10
 
Es ist Ostern geworden. Auch wenn es an verschiedenen Stellen und in verschiedenen Zeitungen hieß: „Ostern fällt aus“ - es ist DOCH Ostern geworden.
 
Am Ostersonntag beginnt die Messfeier mit dem Ruf: „Ich bin erstanden und bin immer bei dir. Halleluja. Du hast deine Hand auf mich gelegt. Halleluja. Wie wunderbar ist für mich dieses Wissen. Halleluja.“ - Eine Aussage, die uns auch durch die ganze Fastenzeit begleitet hat: Ich bin bei dir.
 
Es ist aber nicht immer gleich auf den ersten Blick ersichtlich, dass Gott da ist; und das zeigt das Osterfest auch: Ostern beginnt in der Nacht, wenn noch alles finster ist. Ostern ist zunächst wie ein kleines Licht im Dunkeln, ein kleines Licht, das größer und größer wird und sich verteilt. Auch die Liturgie der Osternacht zeigt uns sehr schön, wie es Ostern wird: sie zeigt in großen Etappen, wie Gott seit der Schöpfung an seinem Volk gehandelt hat, bis er uns am nächsten gekommen ist in seinem Sohn Jesus Christus, der ein für alle mal den Tod besiegt hat.
 
„Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat; wir wollen jubeln und uns an ihm freuen.“ (Psalm 118,24)

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