Titelbild, Pfarrei Herz Jesu, Schwandorf

Im heutigen Evangelium kehrt Jesus zurück in den Himmel, er „setzte sich zur Rechten Gottes“ (Markus 16,19). Die Jünger „aber zogen aus und predigten überall“ (Markus 16,20). Vorher kündigt Jesus ihnen aber noch an, was diejenigen bewirken werden, die an ihn glauben: „In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben; sie werden in neuen Sprachen reden; wenn sie Schlangen anfassen oder tödliches Gift trinken, wird es ihnen nicht schaden; und die Kranken, denen sie die Hände auflegen, werden gesund werden“ (Markus 16,17f.).

Was empfinden Sie beim Lesen solcher Beschreibungen, wozu jemand fähig sein soll, der an Jesus glaubt? Vielleicht wünscht sich der eine oder die andere gerade jetzt, in Zeiten, die geprägt sind von Besorgnis angesichts des Corona-Virus, dass es reichen würde, den Kranken die Hände aufzulegen, um sie zu heilen … Für die Zeitgenossen Jesu waren das Fähigkeiten, die zeigten, dass jemand eine schützende Gottheit auf seiner Seite hatte. Aber was sagt es uns heute noch? Wir wissen ja, dass es sich bei Schlangenbiss und anderen Giften, ebenso wie bei Krankheiten, um naturwissenschaftlich erklärbare Phänomene handelt, nicht etwa um Einflüsse böser Dämonen.

Vielleicht lohnt es sich, den Gedanken aufzugreifen, dass es sich bei all dem um Zeichen handelt, die deutlich machen, dass Gott auf der Seite eines Menschen steht, der in seinem Namen anderen Gutes tut. Gegen welche „Dämonen“ und „Krankheiten“ kann ich heute versuchen, anderen beizustehen? In welchen „neuen Sprachen“ könnte ich reden, um die befreiende Botschaft des Evangeliums in meinem Alltag zu leben und weiterzugeben?

Für was auch immer davon Sie sich entscheiden, Jesus sagt Ihnen wie den Aposteln im Evangelium zu, dass es Ihnen „nicht schaden“ (Markus 16,18) wird. Wie vertrauenswürdig seine Zusage ist, berichtet das Evangelium gleich im übernächsten Vers: „Der Herr stand ihnen bei und bekräftigte die Verkündigung durch die Zeichen, die er geschehen ließ“ (Markus 16,20).

(Bild: S. Gradl, Text: A. Blank)

Im Lauf des Kirchenjahres taucht die Frage immer wieder auf: wer ist dieser Jesus eigentlich? In den Evangelien fragt Jesus seine Jünger, für wen die Menschen ihn halten und für wen sie ihn halten. Auch in der Apostelgeschichte heute taucht diese Frage auf. Ganz konkret stellt sich diese Frage aber immer wieder neu auch für uns: wer ist dieser Jesus eigentlich für mich?
In der Apostelgeschichte ist es heute der Pharisäer Gamaliel, der dem Hohen Rat zu bedenken gibt: wenn Jesus nur ein Mensch ist, der sagt, er sei etwas Besonderes, dann wird sich seine Botschaft recht schnell wieder verlaufen. Dann ist er zwar für die Menschen um ihn herum etwas Besonderes gewesen, aber seine Botschaft hat sich bald wieder verflüchtigt. Ist er aber mehr als nur ein besonderer Mensch, dann wird sich seine Botschaft halten. - Und tatsächlich: sie hat sich gehalten, sonst wären wir heute nicht hier und würden versuchen, so wie es uns möglich ist, von ihm Zeugnis abzugeben.
Gamaliel hat es eigentlich auf den Punkt gebracht: „Wenn […] dieses Werk von Menschen stammt, wird es zerstört werden; stammt es aber von Gott, so könnt ihr […] [es] nicht vernichten; sonst werdet ihr noch als Kämpfer gegen Gott dastehen“ (Apostelgeschichte 5,38).
Wer ist dieser Jesus also für mich? Sind wir Christen, sein „Werk“, auch aktiv für ihn? Am Ende der Apostelgeschichte hieß es heute: sie „lehrten […] unermüdlich im Tempel und in den Häusern und verkündeten das Evangelium von Jesus, dem Christus“ (Apostelgeschichte 5,42). Und wie ist es bei uns?

Apostelgeschichte 5,27 - 33

"Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen", so verkündet die heutige Lesung.
Gott mehr gehorchen als den Menschen!? - Was für eine Wucht, was für eine Herausforderung, was für eine Spannung in diesem Satz!
Die Apostel, namentlich genannt Petrus, haben nach dem Auf und Ab ihres Lebens jetzt die innere Freiheit gewonnen, Gott mehr zu gehorchen als den Menschen, und damit verbunden, Anfeindung und Verfolgung, ja Tod, zu riskieren. Sie haben jetzt den Mut und das Vertrauen, das zu sagen und zu leben, was sie in ihrem Inneren als richtig erkennen oder erkannt haben - und auch die Bereitschaft, die Folgen dafür zu tragen.
Etwas in seinem Inneren als richtig erkennen - das ist nicht zu verwechseln mit Eigenwilligkeit oder Beliebigkeit. Das Innere, unser
Gewissen, bedarf auch der Bildung und Weiterbildung - durch das Gebet, durch das Hören auf das Wort Gottes, durch gute Lektüre, durch Austausch über den Glauben.
Woher weiß ich denn, was das Richtige ist, was Gott will? Ein Jesuit antwortete einmal: Der erste Gedanke ist der richtige. Jemand anders: Das, was von Gott kommt, stärkt mich. Wenn ich mich vorwiegend an menschlichen Erwartungen orientiere, schwäche ich mich.
Einfacher ist es und war es auch zur Zeit der Apostel, den Menschen zu gehorchen, d. h. ihnen zu gefallen, den gewohnten Vorstellungen, dem geläufigen Tun zu entsprechen, keine Unruhestifter oder Störenfriede zu sein.
Ich versuche, heute achtsam zu sein bei einzelnen Begegnungen, Gesprächen oder auch nur "small-talks" für Seinen Willen - und mögliche
Spannungen im Vertrauen auf Ihn anzugehen.
Ich kann den heutigen Tag aber auch in Dankbarkeit leben, dafür, dass bei uns Religionsfreiheit herrscht, oder in Dankbarkeit für die
Menschen, die wegen ihres Christseins ihr Leben lassen mussten (z. B. in den letzten Jahren im Irak, in Syrien u.a.)

(Der heutige Tagesimpuls stammt von unserer Gemeindereferentin, Frau Schwab)

Was ist denn eigentlich Liebe? Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht? Ist Liebe nur ein kurzweiliges Gefühl, ein Schwärmen für jemanden, etwas, das rasch wieder verfliegt? Oder ist Liebe etwas Tiefergehendes?
Liebe, denke ich, ist etwas, was auch wachsen und sich entwickeln muss.
Liebe ist nichts, was man nur auf ein Gefühl reduzieren kann. Liebe muss tiefer gehen.
In unserem Abschnitt aus dem Evangelium heute und auch anderswo im Johannesevangelium zeigt sich, wie weit Liebe gehen kann. Auch anderswo in der Bibel, etwa im Hohenlied oder im 13. Kapitel des 1. Korintherbriefes lässt sich viel zum Thema Liebe finden.
Unsere Liebe einem anderen Menschen gegenüber sollte sich an der Liebe Gottes orientieren. Und Gottes Liebe geht weit, sehr weit; so weit, dass man sich ganz offen und ehrlich fragen muss: Könnte ich auch, ganz ehrlich, so weit gehen? Das Johannesevangelium (3,16) sagt es heute so: „Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat.“ - Soweit kann Liebe gehen. 
Liebe ist also weit mehr als nur ein Hochgefühl, bei dem man Schmetterlinge im Bauch bekommt. Liebe ist mehr und Liebe will mehr.

Etwas sehr Berührendes erzählt die Apostelgeschichte heute: „Die Gemeinde der Gläubigen war ein Herz und eine Seele.“ (Apostelgeschichte 4,32)
Egal, was in der Zeit der ersten Christen auch sonst geschah - die Apostelgeschichte erzählt, dass die ersten Christen ein positives Bild für ihre Umgegend abgaben. So wie sie lebten, so wie sie handelten, gaben sie ein positives Beispiel für ihre Umgebung ab, so wirkten sie für die Menschen um sie herum anziehend. Die Apostelgeschichte erzählt ja auch immer wieder, wie viele Menschen sich für den - wie es damals hieß - „Neuen Weg“ interessierten und sich den Nachfolgern Jesu anschlossen. Und das aufgrund der Botschaft Jesu - und des positiven Beispiels „Die Gemeinde der Gläubigen war ein Herz und eine Seele.“
Jemand schrieb einmal - und er hatte sehr recht damit - „Wenn der Glaube nicht das ganze Leben ergreift, ist er leer.“ Bei den ersten Nachfolgern war das offensichtlich nicht der Fall; sie waren völlig ergriffen.
Wenn uns der Glaube wirklich prägt, dann entwickeln wir auch eine Strahlkraft, die die Menschen um uns herum wahrnehmen. Dann wirkt der Glaube anziehend und interessant. So gelingt es uns auch leichter, von unseren eigenen Plänen und eigenen Wegen wegzuschauen und auf die Menschen um uns herum zu blicken.

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