Titelbild, Pfarrei Herz Jesu, Schwandorf

In der Lesung wie im Evangelium hören wir heute von Erzählungen aus dem Alten Testament: Der äthiopische Hofbeamte, den Philippus auf der Straße von Jerusalem nach Gaza trifft, „saß auf seinem Wagen und las den Propheten Jesaja“ (Apostelgeschichte 8,28). Im Evangelium, einem ganz zentralen Kapitel des Johannesevangeliums, in dem Jesus sich als derjenige zu erkennen gibt, der von Gott kommt und für uns „Brot des Lebens“ ist, spricht er ebenfalls von den Propheten: „Bei den Propheten heißt es: Und alle werden Schüler Gottes sein“ (Johannes 6,45; vgl. Jesaja 54,13; Jeremia 31,33f.). Und er erwähnt noch kurz das Manna, das die Vorfahren in der Wüste gegessen haben nach dem Auszug aus Ägypten (Johannes 6,49).

Für beide, Jesus selbst und seinen Jünger Philippus, ist das Alte Testament ganz selbstverständlich ihre Heilige Schrift. Die Propheten und die Erzählungen aus der Geschichte Israels sind ihnen und ihren Zuhörern so vertraut, dass sie sie ohne lange Erklärungen neu deuten können: Bei Jesus im Evangelium wird das Wort der Propheten wahr, er selbst setzt nun als das neue „Brot des Lebens“ die alten Erzählungen aus der Zeit in der Wüste (Johannes 6,48-51) fort. Philippus verkündet dem äthiopischen Hofbeamten „ausgehend von diesem Schriftwort […] das Evangelium von Jesus“ (Apostelgeschichte 8,35).

Und Jesus kennt nicht nur die alten Überlieferungen, er ist auch persönlich tief in ihnen verwurzelt: Josef gilt als Nachkomme des Königs David (vgl. Matthäus 1,1-17), Marias Verwandte Elisabeth ist die Frau eines Priesters und führt ihre Abstammung auf Aaron, den ersten Hohenpriester und Bruder von Mose, zurück (vgl. Lukas 1,5).

Wie vertraut sind uns heute die Schriften des Alten Testaments? Vielleicht wirken sie auch auf Sie oft fremd, vielleicht ein bisschen exotisch? Nutzen Sie doch das bevorstehende lange Wochenende und blättern Sie wieder einmal im Alten Testament! Vielleicht entdecken Sie die eine oder andere Geschichte, die Sie berührt, von einem Menschen, der im Alten Orient gelebt hat, oder in der von Griechen und Römern geprägten Welt, in die schließlich Jesus geboren wird, der aber genau wie Sie heute auf der Suche ist nach Gott und einem gelingenden Leben.

(Bild und Text: A. Blank)

 

„Was konntest du mir Größeres geben als dich selbst!“ - Das schreibt die hl. Katharina von Siena, derer die Kirche heute als Schutzpatronin Europas gedenkt, in ihrem Dialog über die göttliche Vorsehung. Damit hat die Ordensfrau aus dem 14. Jahrhundert etwas eigentlich sehr wichtiges gesagt, was aber oft einmal gar nicht so wirklich zur Geltung kommt.

Mit IHM haben wir eigentlich das Größte an unserer Seite, was wir haben können. Und dieser „Größte“ ist einer, der, platt gesagt, „sich seine Größe nicht raushängen lässt“. Er sagt zu den Menschen im heutigen Evangelium: „Kommt zu mir, die ihr euch plagt“ - „Ich werde euch Ruhe verschaffen“ - „Mein Joch drückt nicht“ - „Meine Last ist leicht“. Ich denke, Katharina von Siena konnte ihre Schriften nur verfassen, weil sie genau das erkannt hat. ER ist auf unserer Seite. Er verspricht uns zwar kein Leben ohne Last und ohne „Joch“ - aber beides ist erträglich und auszuhalten.

Wer glaubt, hat nicht unbedingt ein Leben, das frei ist von Leid, von Anfechtung und Gefahr – aber er hat ein Leben, das er bei IHM aufgehoben weiß; bei IHM, der sich uns selbst schenkt – der sich nicht zu schade ist für die Begegnung mit uns. ER liebt uns. Jetzt und Immer.

Vermutlich haben wir sie alle schon oft gehört – die heutige Lesung, die von der Steinigung des Stephanus berichtet, und seiner Vergebungsbitte: „Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an“.

Solches Gebet kann nur Gnade sein. Und an früherer Stelle wird Stephanus auch als einer „voll Gnade“ bezeichnet.

Uns ist das Vaterunser gegeben: „Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“ bestätigen wir da.

Ich hab diesen Satz eine Zeitlang in meinem Beten weggelassen – und sprech ihn nach wie vor nicht immer mit. Zwar gönne ich meinem „Schuldner“ sein Leben, und er / sie soll in Frieden und gerne auch gut leben können, aber mir möglichst nicht mehr (zu) nahe kommen.

Dabei ist die Vergebung ein Grundgesetz unseres Betens, und Groll im Herzen nimmt unserem Beten die Kraft!

Der Jesuit Anthony de Mello schlägt einmal vor, eine Liste aufzustellen, „von all den Menschen, denen Sie abgeneigt sind … von denen Sie nicht viel halten …, die Sie weniger mögen als andere, oder … von denen, die Sie nicht mögen.“ Er schreibt::

„Ich würde an Ihrer Stelle nicht zu abrupt Vergebung üben“. Es kann auch helfen, den Groll „auszuschwitzen“ oder in der Phantasie Luft zu machen. Und dann in diesem Anliegen zu beten.“ (Von Gott berührt. Die Kraft des Gebetes, 62ff.)

Stoff genug für die nächste Beichte, ein Beichtgespräch oder einfach mal für ein Gespräch mit dem Seelsorger vor Ort?!

Und für ein herzliches Danke an Gott für alle guten Beziehungen in meinem Leben!

 
(Der heutige Tagesimpuls stammt von unserer Gemeindereferentin. Vielen Dank dafür!)

„Nicht nur vom Brot lebt der Mensch, sondern von jedem Wort aus Gottes Mund.“ (Matthäus 4,4b). Mit diesem kurzen Bibelvers, der zum Halleluja-Ruf des heutigen Tages gehört, wird das Evangelium eingeleitet. 
In den letzten Wochen konnte man beobachten, wovon der Mensch wirklich lebt. In den letzten Wochen, als „Corona“ mit Hysterie und Hamsterkäufen begann, konnte man sehen, was man als existentiell betrachtet hat. Das war das vielbeschworene Toilettenpapier, Nudeln (komischerweise konnte ich Vollkornnudeln in großen Mengen finden…), aber vieles andere blieb liegen. So muss man doch sagen: rein von der Verfügbarkeit an Nahrungsmitteln geht es uns immer noch gut. Und es wäre Zeit, doch auch einmal dankbar zu sein, dass uns Corona bisher noch nicht so überrumpelt und bedroht hat, wie es zuvor geheißen hat. Natürlich ist es nach wie vor ratsam, behutsam vorzugehen, vielleicht auch in der Zukunft bewusster mit den Geschenken der Gesundheit und der Natur umzugehen. Und auch einmal Danke zu sagen. Kann ich nicht dankbar sein für jeden Tag, der mir geschenkt ist? Kann ich nicht dankbar sein für das viele, das ich auch jetzt noch habe?
Oder ganz anders: kann ich nicht auch dankbar sein, dass ich trotzdem täglich die Gelegenheit habe, mich mit Gottes Wort zu beschäftigen? Matthäus hat es so schön formuliert: der Mensch lebt von jedem Wort aus Gottes Mund. Welches ist das für mich heute?

Dritter Sonntag der Osterzeit
Apostelgeschichte 2,14.22-33; 1. Petrusbrief 1,17-21; Johannes 21,1-14
 
Beruhigend. Oder doch beunruhigend? Es kommt auf die Sichtweise an. Was Petrus in seinem ersten Brief schreibt, das kann uns erst einmal herausfordern. „Wenn ihr den als Vater anruft, der jeden ohne Ansehen der Person nach seinem Tun beurteilt, dann führt auch, solange ihr in der Fremde seid, ein Leben in Gottesfurcht“ (1. Petrus 1,17).
Wie empfinden Sie es denn? Ist dieser Ausschnitt für Sie beruhigend oder beunruhigend? Petrus sagt, dass Gott, der Herr, jeden ohne Ansehen der Person nach seinem Tun beurteilt.
Für manchen mag das sehr tröstlich sein, für manch anderen eher ein Ärgernis: da rackert man sich ab, versucht, es zu hohem Ansehen zu bringen, und dann bringt mir das gar nichts… Oder man ist „ein hohes Tier“ und meint, von daher bei Gott einen besseren Stellenwert zu haben. Nur: so ist es nicht. Vor Gott zählen andere Maßstäbe.
So ist Gott übrigens schon im Alten Testament: der Herr sagt zu Samuel: „Gott sieht nämlich nicht auf das, worauf der Mensch sieht. Der Mensch sieht, was vor den Augen ist, der Herr aber sieht das Herz.“ (1. Samuel 16,7).
Vor Gott ist es egal, wer ich bin, welchen Titel ich vielleicht habe, was ich alles vorweisen zu können meine. Vor Gott gilt der Mensch, wie er sich seinem Gott und seinem Nächsten gegenüber verhält.
Und tatsächlich: wenn ich mein Leben überdenke, dann kann das beruhigend oder beunruhigend sein. Auf jeden Fall aber ist es eine Herausforderung an uns. Und an Herausforderungen wächst man…
Was kann ich heute tun, um geistlich zu wachsen?

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