Titelbild, Pfarrei Herz Jesu, Schwandorf

Etwas sehr Berührendes erzählt die Apostelgeschichte heute: „Die Gemeinde der Gläubigen war ein Herz und eine Seele.“ (Apostelgeschichte 4,32)
Egal, was in der Zeit der ersten Christen auch sonst geschah - die Apostelgeschichte erzählt, dass die ersten Christen ein positives Bild für ihre Umgegend abgaben. So wie sie lebten, so wie sie handelten, gaben sie ein positives Beispiel für ihre Umgebung ab, so wirkten sie für die Menschen um sie herum anziehend. Die Apostelgeschichte erzählt ja auch immer wieder, wie viele Menschen sich für den - wie es damals hieß - „Neuen Weg“ interessierten und sich den Nachfolgern Jesu anschlossen. Und das aufgrund der Botschaft Jesu - und des positiven Beispiels „Die Gemeinde der Gläubigen war ein Herz und eine Seele.“
Jemand schrieb einmal - und er hatte sehr recht damit - „Wenn der Glaube nicht das ganze Leben ergreift, ist er leer.“ Bei den ersten Nachfolgern war das offensichtlich nicht der Fall; sie waren völlig ergriffen.
Wenn uns der Glaube wirklich prägt, dann entwickeln wir auch eine Strahlkraft, die die Menschen um uns herum wahrnehmen. Dann wirkt der Glaube anziehend und interessant. So gelingt es uns auch leichter, von unseren eigenen Plänen und eigenen Wegen wegzuschauen und auf die Menschen um uns herum zu blicken.

Vielleicht haben Sie sich schon manchmal gewundert, wenn Sie das Johannesevangelium geöffnet haben; vielleicht haben Sie sich auch gedacht: ich verstehe überhaupt nicht, was Johannes da sagen will. - Damit sind Sie nicht alleine. Allein schon in den heutigen Abschnitt aus diesem Evangelium kann man eine Menge finden, womit man sich intensiver beschäftigen könnte. Und so stimmt es tatsächlich: wer sich einmal auf das Abenteuer Bibel eingelassen hat, und zwar ernsthaft, der wird so schnell nicht mehr davon loskommen.

Heute berichtet uns Johannes von einer Begegnung Jesu mit dem Pharisäer Nikodemus. Der Name Nikodemus bedeutet übrigens „Sieger in der Volksversammlung“. Diese Begegnung findet in der Nacht statt. Nun kann man darüber viel nachdenken. Wenn Johannes von der Nacht schreibt, dann ist damit oft die „Nacht der Unwissenheit“ gemeint. Vielleicht kommt also der Gelehrte Nikodemus „unwissend“ zu Jesus – anhand ihres Gesprächs könnte man das fast meinen. Andererseits: die Bibelwissenschaftler sagen, daß sich die Gelehrten oft in der Nacht mit der Tora, also der Heiligen Schrift, auseinandersetzten.

Für heute können wir vielleicht so viel festhalten: Nikodemus hat viel von Jesus gehört und möchte ihn kennenlernen. Er kommt, weil er von Jesus viel hört – ihn aber noch nicht kennt. Er möchte aus der Unwissenheit heraustreten und ihn persönlich kennenlernen. Und Jesus hat Zeit. In der Nacht! Also in der Zeit, wo man im Regelfall durch nichts anderes gestört wird, wo man sich wirklich einer Sache widmen kann.

Wann habe ich denn eigentlich meine persönliche Zeit, meine persönliche Begegnung mit Christus? Und wie könnte ich diese Zeit vielleicht gewinnbringend(er) gestalten? Es lohnt sich, sich einmal z.B. anhand vom Kapitel 3 des Johannesevangeliums Gedanken darüber zu machen.

Weißer Sonntag
Apostelgeschichte 2,42-47; 1. Petrusbrief 1,3-9; Johannesevangelium 20,19-31
„Drei Dinge braucht der Mann“, hieß es früher einmal in einer Werbung, die versehen mit ein paar Comics auf humorvolle Weise Pfeifentabak empfahl.
„Vier Dinge braucht der Gläubige“, könnten wir heute sagen. Die Apostelgeschichte erzählt uns heute, dass das Leben der Gläubigen von drei Dingen geprägt sein soll: von der Lehre der Apostel, von der Gemeinschaft, vom Brotbrechen und vom Gebet. - Vier Dinge, die nach der Apostelgeschichte einen Gläubigen ausmachen. Für heute könnte deshalb die Frage im Raum stehen: welche von diesen vier Dingen prägen denn mein Glaubensleben? Kann ich schon zu allen vier „Ja“ sagen, oder fehlt mir noch etwas, woran ich arbeiten sollte?
Wenn man es ganz genau nimmt, dann bleibt die Apostelgeschichte auch nicht bei diesen Dingen stehen, sondern sie geht noch weiter. Sie erzählt von den ersten Christen auch, dass sie beim ganzen Volk beliebt waren (Apostelgeschichte 2,47).
Heute scheint es manchmal, als würde uns Christen die „Farbe“ fehlen, lieber schwimmen wir in der grauen, alltäglichen Masse mit. Vielleicht kann uns dieser Weiße Sonntag heute, dieser Zweite Ostersonntag, einladen, einmal darüber nachzudenken, wie wir als Christen wieder beim Volk beliebt werden können - nicht um der Beliebtheit willen, sondern um der Botschaft willen, die wir verkünden sollen.

Aus unserer Pfarrkirche Herz Jesu, Schwandorf, wurde am Sonntag (19. April 2020, 08:30 Uhr) der Gottesdienst live bei YouTube übertragen.

Link zur Aufnahme des Gottesdienstes: https://youtu.be/hUfhGaLA2BU

Liederfolge:
- Einzug: 329
- Kyrie: 157
- Zwischengesang: 444
- Credo: 803
- Gabenbereitung: 336
- Sanctus: 737
- Agnus dei: 911
- Schlusslied: 794

Link zum YouTube-Kanal Herz Jesu - Schwandorf:

Herrn Michael Schickram für die Einrichtung des YouTube-Kanals,
die Umsetzung und das Engagement ein herzliches Vergelt´s Gott.

„Wir können unmöglich schweigen über das, was wir gesehen und gehört haben“ (Apostelgeschichte 4,20), sagen Petrus und Johannes dem Hohen Rat in der heutigen Lesung. Sie sind in den Tempel gegangen, um zu beten. Dabei haben sie einen Gelähmten getroffen, den Petrus im Namen Jesu geheilt hat. Die anderen Leute im Tempel versammeln sich um sie und wollen wissen, wie die Heilung geschehen konnte, und da erzählen ihnen Petrus und Johannes von der Auferstehung Jesu. Der Hohe Rat, das wichtigste religiöse Gremium der Juden zu dieser Zeit, möchte auch wissen, was geschehen ist, und entscheidet schließlich, den Aposteln die Predigt im Namen Jesu zu verbieten, um Ärger und Streit in der Bevölkerung zu vermeiden.

Doch die Apostel können das Verbot nicht hinnehmen, so erfüllt sind sie von der Freude über die Auferstehung Jesu und dem Wunsch, diese frohe Botschaft allen Menschen zu bringen. Sie bleiben dem Auftrag Jesu treu, den wir heute im Evangelium hören: „Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen!“ (Markus 16,15).

Wie geben wir heute unsere Freude über die Auferstehung Jesu, die wir noch bis Pfingsten in besonderer Weise feiern, weiter? Wem kann ich heute durch mein Reden oder Tun eine Freude machen? Wen möchte ich an meiner Freude über die frohe Botschaft von Ostern teilhaben lassen?

(Bild: S. Gradl, Text: A. Blank)