Titelbild, Pfarrei Herz Jesu, Schwandorf

Weißer Sonntag
Apostelgeschichte 2,42-47; 1. Petrusbrief 1,3-9; Johannesevangelium 20,19-31
„Drei Dinge braucht der Mann“, hieß es früher einmal in einer Werbung, die versehen mit ein paar Comics auf humorvolle Weise Pfeifentabak empfahl.
„Vier Dinge braucht der Gläubige“, könnten wir heute sagen. Die Apostelgeschichte erzählt uns heute, dass das Leben der Gläubigen von drei Dingen geprägt sein soll: von der Lehre der Apostel, von der Gemeinschaft, vom Brotbrechen und vom Gebet. - Vier Dinge, die nach der Apostelgeschichte einen Gläubigen ausmachen. Für heute könnte deshalb die Frage im Raum stehen: welche von diesen vier Dingen prägen denn mein Glaubensleben? Kann ich schon zu allen vier „Ja“ sagen, oder fehlt mir noch etwas, woran ich arbeiten sollte?
Wenn man es ganz genau nimmt, dann bleibt die Apostelgeschichte auch nicht bei diesen Dingen stehen, sondern sie geht noch weiter. Sie erzählt von den ersten Christen auch, dass sie beim ganzen Volk beliebt waren (Apostelgeschichte 2,47).
Heute scheint es manchmal, als würde uns Christen die „Farbe“ fehlen, lieber schwimmen wir in der grauen, alltäglichen Masse mit. Vielleicht kann uns dieser Weiße Sonntag heute, dieser Zweite Ostersonntag, einladen, einmal darüber nachzudenken, wie wir als Christen wieder beim Volk beliebt werden können - nicht um der Beliebtheit willen, sondern um der Botschaft willen, die wir verkünden sollen.

„Wir können unmöglich schweigen über das, was wir gesehen und gehört haben“ (Apostelgeschichte 4,20), sagen Petrus und Johannes dem Hohen Rat in der heutigen Lesung. Sie sind in den Tempel gegangen, um zu beten. Dabei haben sie einen Gelähmten getroffen, den Petrus im Namen Jesu geheilt hat. Die anderen Leute im Tempel versammeln sich um sie und wollen wissen, wie die Heilung geschehen konnte, und da erzählen ihnen Petrus und Johannes von der Auferstehung Jesu. Der Hohe Rat, das wichtigste religiöse Gremium der Juden zu dieser Zeit, möchte auch wissen, was geschehen ist, und entscheidet schließlich, den Aposteln die Predigt im Namen Jesu zu verbieten, um Ärger und Streit in der Bevölkerung zu vermeiden.

Doch die Apostel können das Verbot nicht hinnehmen, so erfüllt sind sie von der Freude über die Auferstehung Jesu und dem Wunsch, diese frohe Botschaft allen Menschen zu bringen. Sie bleiben dem Auftrag Jesu treu, den wir heute im Evangelium hören: „Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen!“ (Markus 16,15).

Wie geben wir heute unsere Freude über die Auferstehung Jesu, die wir noch bis Pfingsten in besonderer Weise feiern, weiter? Wem kann ich heute durch mein Reden oder Tun eine Freude machen? Wen möchte ich an meiner Freude über die frohe Botschaft von Ostern teilhaben lassen?

(Bild: S. Gradl, Text: A. Blank)

Während in der Fastenzeit die biblischen Texte oft einen etwas düsteren, drückenden Eindruck machten, verschärft durch das drückende Gefühl von Corona, obwohl die Texte eigentlich ja Mut machen wollen und zur Initiative aufrufen, hören wir in diesen Wochen aus der Bibel ganz andere Texte. Wir hören, wie es einmal jemand formulierte, aus der „ersten Kirchengeschichte“, also aus dem Buch, das die Taten der Apostel beschreibt, aus der Apostelgeschichte.
Immer wieder wird dort berichtet, wie Menschen handeln, die vom Glauben an Jesus Christus innerlich verwandelt werden, und wie sich daraus eine erste christliche Gemeinde entwickeln konnte. 
Neben vielem anderen hat mich heute besonders eine Formulierung angesprochen, die mich länger beschäftigt hat. Petrus ruft die Menschen zur Umkehr auf, damit „der Herr Zeiten des Aufatmens“ kommen lässt. Ich denke, auch darum bitten in diesen Tagen viele Menschen: um Zeiten des Aufatmens. Noch immer - und noch für lange Zeit - schränkt das Virus uns ein, und wir lechzen nach „Zeiten des Aufatmens“. Bitten wir den Herrn heute, dass er uns solche Zeiten des Aufatmens schenkt, gleich ob im Kleinen oder auch im Großen, und überlegen wir uns doch auch selbst, wie wir selber zu „Zeiten des Aufatmens“ beitragen können…

Eine Woche lang wie Ostern feiern - das sagt die Osteroktav. Das ist schön und gut, und große Feste müssen ausgiebig gefeiert werden, und so natürlich auch das größte Fest der Christenheit!
Aber sind wir innerlich nicht eigentlich schon lang wieder zum Alltag zurückgekehrt - zumindest insofern man momentan von einem Alltag sprechen kann… Ostern ist doch eigentlich vorbei in unserem täglichen Leben. Und doch sollte Ostern eigentlich unser ganzes Leben beschäftigen! Ostern sollte nicht untergehen in unseren täglichen Beschäftigungen, vielmehr soll Ostern unsere täglichen Beschäftigungen bereichern!
Wir sind aber in guter Gesellschaft. Das Evangelium erzählt heute auch, dass sieben von den Jüngern wieder zu ihrem Alltag zurückgekehrt sind: sie sind am See und fischen. Doch da kommt Jesus - zunächst wird er wieder nicht erkannt - und er durchbricht ihren Alltag. So soll auch Jesus unseren Alltag, und erst recht unsere eingeschränkten Situationen durchbrechen. Er möchte ein Leben in Fülle für uns, nicht nur ein Leben der kurzzeitigen, oberflächlichen Fröhlichkeit, sondern ein Leben in Fülle. Vielleicht gelingt es uns, uns dafür zu öffnen.

Heute möchte ich Ihnen etwas mit auf den Weg geben, was ich neulich in einer Ankündigung zu einem Gottesdienst in einer Zeitschrift gelesen habe:
„Mutig zu sein heißt nicht, dass man keine Sorgen hat. Mutig zu sein heißt vielmehr, sich auf das Gefürchtete zuzubewegen. Das ist Courage. Das Wort Courage kommt vom französischen Wort coeur, das ‚Herz‘ bedeutet. Courage heißt, dass das Herz über den Kopf siegt. Obwohl die Gedanken schreien: Nein! Tu das nicht!, sagt das Herz: Doch. Wir schaffen das.“
Ich glaube, dass das sehr wichtige Gedanken sein könnten, nicht nur für jetzt und heute, sondern generell: Mut ist gefragt. Sich nicht unterkriegen lassen. 
So wie auch die Jünger Jesu sich nach seinem Tod und der Auferstehung nicht haben unterkriegen lassen. Nach einer gewissen Zeit des Nachdenkens, des Verstehens von Tod und Auferstehung, sind sie mutig weiter ihren Weg im Auftrag Jesu gegangen.
Auch uns wünsche ich diesen Mut, der sagt: Doch. Wir schaffen das.