Titelbild, Pfarrei Herz Jesu, Schwandorf

4. Fastensonntag

Bibeltexte: 1 Samuel 16,1b.6-7.10-13b; Epheserbrief 5,8-14; Evangelium nach Johannes 9,1-41

Sie haben es vielleicht gemerkt, als Sie die Angaben für die heutigen Bibeltexte gelesen haben. Eine sehr zusammengestauchte erste Lesung und ein sehr ausführliches Evangelium. Ich möchte Sie einladen, die Texte im Ganzen zu lesen und sich jetzt einmal besonders dafür Zeit zu nehmen. Anstatt einer Predigt möchte ich kurz einen Blick mit Ihnen auf diese drei Bibeltexte werfen.

Zuerst ist da Samuel, der für Israel einen König salben soll. Und entgegen dem, was man sich denken würde, wird nicht der Älteste, der Erstgeborene von Isais Söhnen, der neue König, sondern der jüngste, der bei einem eventuellen Erbe wahrscheinlich eher leer ausgegangen wäre. Mit der wichtigste Satz in dieser ganzen Zeremonie ist wohl dieser: "Gott sieht nämlich nicht auf das, worauf der Mensch sieht. Der Mensch sieht, was vor den Augen ist, der Herr aber sieht das Herz." (1 Samuel 16,7b). - Wie ist das denn bei uns? Worauf schauen wir? Vielleicht auch gerade jetzt in der aktuellen Lage?

Der Christengemeinde in Ephesus muss Paulus ihre Berufung noch einmal vor Augen führen. Vielleicht könnte es auch uns einmal nicht schaden, über unsere Berufung als Christen - oder auch als "Menschen guten Willens" - nachzudenken: Wir sind Licht geworden, sagt er, "lebt als Kinder des Lichts! Das Licht bringt lauter Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit hervor." (Epheserbrief 5,8b-9). Paulus ermahnt aber die Menschen seiner Zeit auch: "Prüft, was dem Herrn gefällt." (Epheserbrief 5,10). Auch das ein Gedanke, nicht nur für Coronazeiten.

Ein letzter Gedanke noch zu dem äußerst umfangreichen Evangelium. In der damaligen Zeit war man wohl arg gezeichnet, wenn man ein körperliches oder geistiges Leiden hatte. All die Absicherungen, die wir heute haben, gab es damals noch nicht. Und es kam eben der Gedanke hinzu: Krankheit ist eine Folge der Sünde. Glücklicherweise haben wir dieses Denken überwunden. Der blinde Mann aus dem Evangelium wird ja durch seine Blindheit gleich als Sünder abgestempelt, und wenn schon nicht er - dann zumindest seine Ahnen. Die Blindheit des Mannes war also gleichzeitig eine soziale Ächtung der ganzen Verwandtschaft. Das Faszinierende daran ist aber - bitte lesen Sie es wirklich selbst nach - wie der nun ehemals blinde Mann auf die Heilung und die anschließende Auseinandersetzung mit den Theologen seiner Zeit reagiert. Ich paraphrasiere etwas freier: "Darin liegt ja das Erstaunliche, dass ihr Theologen nicht wisst, woher dieser Mann kommt; dabei hat er etwas Unvorstellbares getan: mich geheilt und meine Augen geöffnet. Der Glaube von euch und mir sagt, dass Gott nicht auf einen Sünder hört, aber wer Gott fürchtet und seinen Willen tut, den erhört er. Dass jemand die Augen eines Blinden öffnet, hat man noch nie gehört. Wenn also dieser Mann, der mich geheilt hat, nicht von Gott wäre, dann hätte er mich bestimmt auch nicht heilen können. (Johannes 9,30-33, paraphrasiert). - Als Belohnung wird er im Folgenden aus seiner bisherigen Gemeinschaft ausgeschlossen, doch auch diese Situation nutzt Jesus, um ihn an sich zu ziehen und ihm sozusagen ein zweites Mal die Augen zu öffnen. Schließlich sagt der Mann - nun sehend: "Ich glaube, Herr!" (Johannes 9,38a). Lassen wir uns also ein auf ein unbedingtes Vertrauen auf Jesus, vertrauen wir, dass er auch heute noch Großes tun kann. Er ist auch und gerade jetzt für uns da!

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